reflections

So, hier gibt es den ersten Teil einer meiner FF´s. Sie heißt "Jeder Schritt von Dir" und es geht um einen Stalker, der Bill verfolgt!

Den zweiten Teil findet ihr nach und nach auf Yam.de, der Link befindet sich bei den anderen
Und jetzt viel Spaß, könnt mir ja mal eure Meinung da lassen!

 

Jeder Schritt von Dir
Prolog
Es war dunkel, stockdunkel. Am Himmel standen weder Mond noch Sterne. Ein paar vereinzelte Wolken zogen vorbei und warfen noch mehr Schatten auf die Erde, als ohnehin schon. Ein noch dunklerer Schatten huschte über die Straße in die Richtung eines großen Gebäudes. Wenn man genau fünf Fensterreihen nach oben sah, sah man ein Fenster, wo die Rollladen nur halb heruntergelassen waren. Dahinter befand sich ein Zimmer mit Doppelbett. Überall lagen Klamotten und ein Handy lag auf dem Nachttisch. In dem Bett lag ein Junge, der sich zum Fenster umdrehte und nach draußen sah. Seine Augen waren Angst erfüllt und er zitterte, trotz der Decke die er um seinen zierlichen Körper geschlungen hatte. Eine Jeans rutschte von einem Sessel und der Junge fuhr hoch, starrte in den leeren Raum und atmete rasend schnell. Seine Augen suchten etwas in der Dunkelheit, dass sie nicht fanden, während seine Hand nach dem Handy suchte. Er atmete tief aus und starrte angestrengt weiter in die Dunkelheit. Seine Hand fand den Zettel und er zuckte zusammen und zog seine schlanken Finger schnell zurück. Er ließ sich in die Kissen fallen.
„Ganz ruhig Bill, ganz ruhig, da ist keiner! Du fängst an zu fantasieren!“, murmelte er leise, als ein lauter Knall ertönte. Er stieß ein quietschen aus und saß sofort wieder senkrecht. Er langte nach dem Handy und tippte darauf herum.
„Tom?“, er flüsterte nur, „Kann ich zu dir kommen?“
„Danke!“
Er stand mit zitternden Knien auf und lief zur Tür. Eine unglaubliche Angst erfüllte ihn und er wagte es nicht sich umzusehen. Er öffnete die Tür, glitt schnell hindurch und zog sie hinter sich zu.
Draußen auf der Straße lehnte sich der Schatten an die Mauer und man konnte ihn kalt lachen hören…
Ende Prolog
Tom:


Nervös kaute ich auf meinem Lippenpiercing herum und knetete die Decke zwischen meinen Fingern. Den Schmerz den meine Lippen aussanden und den metalischen Geschmack im Mund bemerkte ich nicht. Denn ich machte mir Sorgen, riesige Sorgen! Bill klang gar nicht gut! Irgendwie hörte es sich an, als wenn er kurz vorm weinen wäre und so ängstlich! So hatte er sich noch nie angehört. Und ich kannte ihn immerhin schon 17 jahre und für mich hieß dieser Ton nur eins: Irgendetwas war passiert.
Doch bevor ich weiter nachdenken konnte, klopfte es. Leise, beinahe ängstlich und doch irgendwie flehend.
*Ja!*
Vorsichtig ging die Tür auf und ich sah das blasse Gesicht meines Zwillings. Seine Augen waren gerötet und dunkle Schatten lagen auf seinen Zügen. Er zitterte am ganzen Körper und seine Augen schimmerten verdächtig. Gar nicht gut Tom!, hallte es in meinem Kopf und besorgt setzte ich mich auf.
*Hey, was ist denn los?*
Er schluchzte und stürzte in meine Arme. So aufgelöst hatte ich ihn noch nie erlebt! Und wie gesagt, wenn ich nie sagte, hieß das auch nie. Ich musste schwer schlucken und begann beruhigend seinen Rücken zu streicheln, während ich ihn leicht hin und her wog. Seine Hände krallten sich in mein T-Shirt, schienen den dünnen Stoff zerreißen zu wollen, während er haltlos schluchzte.
*Shh…is doch gut Bill! Alles is gut!*
Ich vernahm ein leichtes Kopfschütteln an meinem Hals, aber wieso wusste ich nicht! Es war doch alles okay. Oder wurde ihm der Stress zu viel? Fraß ihn das ganze innerlich auf? Oder hatte er vielleicht Streit mit irgendwem? Ohne Worte versuchte ich weiter ihn zu beruhigen.
Irgendwann wurde das Schluchzen seltener, leiser und hörte schließlich ganz auf, wurde durch den ruhigen Atem meines Zwillings ersetzt. Vorsichtig legte ich ihn hin und deckte ihn zu. Als ich ihn gerade leicht von mir runter hob, spürte ich wie leicht er war. Besorgt sah ich in sein Gesicht, das schon so viel glücklicher ausgesehen hatte. Ich strich ihm vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht und seufzte leise. Es war mir ein Rätsel!
Was war passiert? Warum hatte Bill so doll geweint? Warum hatte er solche Angst gehabt, dass er mitten in der Nacht zu mir kam? Ich würde es wohl nie erfahren, denn Bill war stur, wenn er nicht wollte würde er mir nichts erzählen! Aber er war schon seit Wochen so komisch…


Bill:
Ich stand vor dem riesigen Spiegel in dem Bad von meinem Hotelzimmer und betrachtete mein Gesicht. Als ich aufgewacht war, war ich aus Toms Zimmer geflohen, es hätte nur Streit gegeben, wenn er mich so gesehen hätte. Außerdem wollte ich nicht das er sich Sorgen machte.
Meine Augen waren immer noch leicht rot, ich hatte tiefe Augenringe, war blass und meine Züge waren von Angst gekennzeichnet. Kurz gesagt: Ich sah schrecklich aus!
Langsam begann ich mich zu schminken, wie ich mich seit zwei Wochen immer schminkte. Mindestens 3 Schichten Make-Up gehörten dazu…
Langsam trug ich die dritte Schicht auf und betrachtete mich prüfend an und ging müde wie immer in mein Zimmer. Obwohl ich heute Nacht endlich mal wieder einigermaßen ruhig geschlafen hatte, fühlte ich mich als hätte ich seit Tagen nicht mehr geschlafen! Mein Blick fiel zum Bett, dass ich heute Nacht so fluchtartig verlassen hatte. Das Handy lag auf dem Kopfkissen, auf dem Nachttisch der Zettel und – ein neuer Zettel. Ich erstarrte bei der Vorstellung, dass er erneut in meinem Zimmer war. Er war verrückt, hirnlos, egoistisch, angsteinflößend, ein Psychopath – ein Stalker.
Ich hatte oft Morddrohungen bekommen, doch noch nie waren sie so ernsthaft gewesen, hatten mich verfolgt und mittlerweile konnte ich sie nicht mehr ignorieren. Sie waren Teil meines Lebens geworden, der schrecklichste Teil. Ich begann langsam selber durchzudrehen – wegen einem Durchhgeknallten.
Ich atmete tief durch und nahm den Zettel mit zittrigen Fingern. Neue Zeilen, eine neue Handschrift, neue Drohungen – und neue Ängste. Mein Herz bestand mittlerweile zu ¾ aus Angst. Und erneut wurde ein kleines Stückchen mehr von diesem Gefühl eingenommen. Es war schrecklich, ich fühlte mich kalt, deswegen hatte ich Schutz bei Tom gesucht, hatte gehofft er würde mir helfen…und dass hatte er! Hatte mich gewärmt bis ich geflohen war und jetzt war mir wieder kalt, als wenn ich in einem Kokon aus Eis stecken würde. Aber ich würde mich nicht einschüchtern lassen! Ich straffte die Schultern und ging Richtung Tür, glaubte aus den Augenwinkeln einen Schatten zu sehen, der mir mit hämischem Gesichtsausdruck hinterhersah…


Bill:
Schon seit mindestens 5 Minuten stand ich an der Wand in der Maske und sah aus dm Fenster während die anderen drei noch mit Puder eingedeckt wurden. Ich war so versunken in Gedanken, dass ich die Maskenbildnerin nicht bemerkte, die sich von hinten anschlich. Eine Hand legte sich auf meine Schulter. Mein Atem stockte, hatte zu viel Angst das es er war. Ich spürte einen warmen Atem an meinem Ohr. Ein Schrei entwich meiner Kehle und ich wirbelte herum um in das Gesicht der vollkommen geschocktem Frau zu sehen. Ihre Augen waren riesig und sie hielt ihre Hand, als wollte sie überprüfen ob sie mir irgendwie weh getan hätte. Mein Atem ging stoßweise und rasend wie nach einem Marathon. Ich stolperte zurück, spürte die Wand im Rücken und hatte mich immer noch nicht beruhigt. Mein Blick ruhte ängstlich auf ihr und ich glaubte einen dunklen Schatten zu erkennen, der durch die Tür und den Gang entlang huschte. Kurz schloss ich die Augen um sie wieder aufzureißen als ich erneut Schritte hörte. Meine Knie begannen zu zittern, doch als ich David mit besorgtem Blick im Türrahmen stehen sah, gaben sie vor Erleichterung nach.
„Bill, was ist hier los?“
„Genau!?“
Die vier + Frau sahen mich an. Ich schüttelte nur mit bebenden Lippen den Kopf.
„N-nichts!“
Auf einmal stand Tom, sah mich wütend an und ballte die Hände zu Fäusten
„MAN BILL! Jetzt tu nicht so! Ich weiß das was nicht stimmt, du sagst es mir nur nicht! Kannst du mir mal sagen, warum du wegen so ner harmlosen Berührung ausrastest, mitten ín der Nacht zu mir kommst und anfängst zu flennen? Noch dazu mit mega Augenringen???“
An Toms Worten war was wahres dran und trotzdem –
Ich erstarrte, mein Blick klebte am Spiegel in dem sich neben Georgs Rücken ein großer Mann an mich ranschlich. Ich fuhr zur Seite und – sah ins leere. Nichts, kein Mann, keine Frau, kein Stalker. Nur Leere. Aber das konnte doch nicht sein! Auch im Spiegel war nichts zu sehen. Ich schluckte schwer   und drehte mich um. Da konnte ich mir ja mal was ausdenken!
„I-ich…“
Tom kam mit zaghaften Schritten auf mich zu und hockte sich hin. Mit besorgtem Blick sah er mich an und legte mir die Hände auf die Schultern. Im Hintergrund sah ich wie David ebenfalls mit besorgtem Gesichtsausdruck mit der Frau zu reden begann, während Georg und Gustav nervöse Blicke austauschten. Erneut begann ich zu zittern und sah Tom jetzt genauso tief in die Augen, wie er mir.
„Willst du´s mir nicht sagen?“, fragte er leise. Ich konnte ein Schluchzen nicht unterdrücken und spürte nur, wie ich im nächsten Moment die Hände in Toms Arme krallte und das Gesicht tränenüberströmt an seiner Schulter vergrub. Er entzog seine Arme leicht meinem Griff und legte sie um mich. Sanft strich er über meinen Rücken und entfernt nahm ich Davids Stimme war.
„Ich sag das Fotoshooting ab, geht mit den beiden zum Van.“
Allmählich begann meine Kraft nachzulassen, zu wenig Schlaf hatte ich in den letzten Tagen gehabt und meine Beine schienen streiken zu wollen, als Tom mich vorsichtig auf sie zog. Immernoch schluchzend krallte ich mich an ihn und schwor mir nicht loszulassen.


Tom:
„Was ist bloß los mit ihm?“
Nur entfernt nahm ich die Worte unseres Drummers war und betrachtete nachdenklich Bill´s Gesicht. Wir saßen mittlerweile in dem schwarzen Van und mein Bruder war erschöpft eingeschlafen. Vermutlich hatte er auch nicht besonders viel geschlafen, aber – wieso?
Sein Kopf lehnte an meiner Schulter und allmählich verblassten sogar die Schichten des dick aufgetragenen Make-Ups. Deswegen hatte ihn die Maskenbildnerin nämlich angesprochen. Sie hatte gemeint, man könnte ihn noch ein wenig abschminken, aber dann war er ja fast zusammengeklappt. Nur wegen einer harmlosen Berührung…
Aber was verbarg er? Was verheimlichte er ihnen? Zaghaft berührte ich seine Hand und erschrak, als ich die Kälte spürte. Erschrocken musterte ich wieder das blasse Gesicht. Ohne das ich es wirklich wollte umschloss meine Hand seine kalte und begann sofort Wärme abzuleiten. Der Druck wurde schwach erwidert. Ich sah nach unten und in die müden, aber großen Augen von Bill.
„Hab ich dich geweckt?“
Er schüttelte stumm den Kopf und schloss müde die Augen um sie wieder zu öffnen und aus dem Fenster zu sehen.
„Wo fahren wir hin?“
Ihm war vermutlich aufgefallen, dass wir schon längst nicht mehr in Berlin waren. David hatte beschlossen, dass es besser wäre wenn wir uns erst einmal abschotten würden, Bill ein wenig Zeit abseits von dem ganzen Trubel hatte und somit waren sämtliche Termine in den nächsten Wochen abgesagt worden und wir waren auf dem Weg zu unserer Studiowohnung in Hamburg.
„Zur Studiowohnung. David meinte es wäre besser wenn wir eine Pause einlegen!“
„WAS?“
Sofort saß er kerzengerade und sah mich geschockt an. Verdammt, ich wusste das diese Reaktion kommen würde. Auf meiner Unterlippe kauend dachte ich darüber nach, wie ich ihn am Besten beruhigen konnte, aber mir viel beim besten Willen nichts ein. Hilfesuchend sah ich zu unseren Bandkameraden aber Georg schien eingeschlafen zu sein und Gustav dachte anscheinend auch schon angestrengt nach.
„Du weißt das es besser so ist!“
„N-nein! Ist es nicht!“
Ich seufzte und lehnte mich zurück. Was sollte ich denn machen? David anrufen und ihm sagen, dass er alles rückgängig machen sollte sicherlich nicht. Aber wenn Bill sich noch doller aufregte, konnte das auch nicht gut sein. In solchen Momenten wünschte ich mir, nicht der zu sein, der ihn immer wieder auf den Boden holen sollte. Dann wünschte ich mir –
„Doch Bill. Du bist total am Ende. Wie viel hast du in letzter Zeit geschlafen? Zwei Stunden pro Nacht? Hast du dich überhaupt ausgeruht? Es ist ein Wunder das du nie zusammengeklappt bist vor Müdigkeit und viel gegessen zu haben kannst du auch am allerwenigsten behaupten!“
Erleichterung machte sich in mir breit. Gustav ich liebe dich! Neben mir sackte mein Zwilling ein und sah betreten zu Boden. Unser Drummer schien einen wunden Punkt getroffen zu haben und gelogen hatte er sicherlich nicht. Doch Gustav schien selbst überrascht von seinen Worten. Verblüfft starrte er Bill an um sich dann leicht nach vorne zu beugen und ihm die Hände auf die Knie zu legen.
„Na siehst du! Das ist doch nicht schlimm! Jeder braucht mal ´ne Auszeit und jetzt bekommst du sie sogar ohne danach fragen zu müssen. Nutz die Chance doch einfach.“
Lange sah Bill ihn an, bevor er nickte und Gustav sich zufrieden zurücklehnte um aus dem Fenster zu sehen und sich mit Musik vollzudröhnen. Ein Lächeln zauberte sich auf meine Lippen. Da hatte er es doch tatsächlich geschafft, Bill versöhnlich zu stimmen! Vor mir. Als er kurz zu mir rübersah lächelte ich dankbar und sah dann wieder zu Bill, der nachdenklich aus dem Fenster blickte.
Es gab nur noch eine Sache die mich störte: Was war mit ihm los? Das wusste ich immer noch nicht. Aber ich würde es herausfinden, so wahr ich Tom Kaulitz hieß. So war das nämlich.
Müde rieb sich Bill über die Augen um sich dann erneut an meine Schulter zu lehnen und die Augen zu schließen. Vielleicht hatte Gustav ja sogar die Anzahl der Stunden richtig eingeschätzt.


Bill:
Obwohl ich die Augen geschlossen hatte, schlief ich nicht. Ich dachte nach, über alles. Ich wusste einfach nicht ob ich es Tom sagen sollte. Er würde sich bestimmt Sorgen machen und die andern beiden auch, wenn sie es wüssten. Und bis David es dann wüsste bräuchte es auch nicht mehr lang. Nein! Das ging nicht. Beinahe hätte ich geseufzt, aber  - hey – ich schlief ja. Mein Kopf ruhte immer noch an Toms Schulter und der hatte begonnen, sanft mit dem Daumen über meinen Handrücken zu fahren, nachdem  er diese zaghaft in seine genommen hatte. Ich hörte leise Musik und dann Gustavs Stimme.
„Schläft er?“
Toms Schulter bewegte sich leicht, vermutlich sah er mich an, dann drückte er meine Hand leicht und als ich das Drücken nicht erwiderte machte er weiter, meine Hand zu streicheln. Verdammt, wieso war mir denn so kalt?
„Ich glaub schon!“
„Gut, ich wollt dich nämlich was fragen.“
„Was denn?“
„Weißt du was mit ihm los ist?“
Aha, es ging also um mich!
„Nein, ich frag mich auch was los ist. Ich mach mir echt Sorgen um ihn!“
Ich musste schlucken. Er machte sich also schon Sorgen um mich. Mental seufzte ich. Na toll, da hat ich den Salat. Dann sollte ich ihm vielleicht doch sagen, was los war?!
„Wir sollten ihn mal fragen, meinst du nicht?“
„Ja, ich denk ich werd ihn fragen, wenn wir da sind.“
Sie redeten noch ein bisschen weiter, doch ich bekam nicht alles mit. Ihre Stimmen wurden leiser und ich nahm das Streicheln auf meiner Hand kaum noch wahr. Langsam glitt ich ins Reich der Träume. Gustav hatte recht gehabt. Zwei Stunden war noch das Maximum gewesen…
Stimmengewirr weckte mich. Ich fühlte mich ein wenig ausgeruht und blinzelte immernoch ein bisschen müde. Mit den Händen rieb ich mir über die Augen und sah in Gustavs lächelndes Gesicht.
„Gut geschlafen?“, fragte er. Ich nickte nur und mir wurde bewusst, wie kalt mir war.
„Mir is´ kalt“, meinte ich leise und rieb mir wie zur Bestätigung über die Arme.
Georg schien gar nichts mitzukriegen, denn er war in ein Gespräch mit dem Fahrer vertieft. Wahrscheinlich über Handball. Gustav kniete sich auf den Sitz, nachdem er sich abgeschnallt hatte und suchte da drunter nach etwas. Nach ein wenig wühlen zog er eine hellblaue Decke heraus und legte sie neben sich. Er setzte sich wieder hin und schnallte sich an um mir dann die Decke entgegen zu halten.
„Danke“, sagte ich leise und wollte die Decke annehmen, als mir auffiel das Tom immernoch meine Hand hielt. Irritiert sah ich in sein Gesicht, doch er schien mit den Gedanken woanders und sein Blick lag irgendwo in der Ferne. Zaghaft entzog ich ihm meine Hand und griff nach der Decke. Bei der Aktion zuckte Tom leicht zusammen und sah von Gustav zu mir, während ich die Decke um mich wickelte.
„Ist dir kalt?“, fragte er dann leicht verwirrt.
Gustav runzelte die Stirn und ich nickte.
„Hat ich doch gesagt!“
„Oh“, sagte er leicht verwirrt.
Immer noch leicht verpeilt kuschelte ich mich an ihn und schloss wieder die Augen um meinen Traum von vorhin weiter zu träumen. In einer Welt wo alles perfekt war, ohne Stalker…


Tom:
„Tom? Tohom?“
Eine Hand wedelte vor meinem Gesicht herum. Er schrocken zuckte ich zusammen und sah zu Gustav, der sich jetzt wieder zurücklehnte. Mit einer Hand deutete er auf Bill. Mein Blick glitt verwirrt zu ihm und blieb an ihm hängen. Schon vorhin war ich total in Gedanken versunken und hatte gar nicht bemerkt, dass er aufgewacht war. Mittlerweile schlief er aber wieder und kuschelte sich eng an mich, während die Decke leicht von seinen Schultern rutschte. Vorsichtig zog ich sie wieder nach oben und betrachtete noch kurz das blasse Gesicht meines Zwillings. Dann sah ich wieder zu Gustav.
„Was ist denn?“
„Ich hab das Gefühl, dass er krank wird!“
Besorgt musterte er Bill und sah mir dann wieder in die Augen. Ob er recht hatte? Bill war doch nur ein bisschen blass und müde. Deswegen war man nicht gleich krank.
„Meinst du?“
„Vorhin klang er ziemlich schwach und kalt ist ihm auch.“
Nachdenklich suchte ich nach seiner Hand und füllte die Zwischenräume seiner Finger mit meinen. Und – seine Hand war eiskalt und er selbst zitterte wie Espenlaub. Erschrocken sah ich ihn an und dann wieder zu Gustav, der bestätigend nickte als wenn er wüsste was ich meinte.
„Glaubst du - “
„ – das es wegen der körperlichen Belastung ist? Um ehrlich zu sein, ja!“
„Du meinste echt der ganze Stress wird zu viel?“
„Nun ja, nicht nur der Stress allein, damit kommt er ja eigentlich ganz gut zu recht, aber wenn er so wenig Schlaf hat und dann auch noch so wenig isst, ist sein Körper vielleicht überfordert. Wenn er sich dann auch noch eine leichte Erkältung eingefangen hat, kann das schnell Übermaße nehmen. Es ist Winter Tom und er rennt teilweise immernoch im T-Shirt rum.“
„Du hast recht! Er sollte sich ein wenig ausruhen und vielleicht…ich weiß schon, wie ich ihn ans Bett fessel!“
„Und zwar?“
Gustav hob fragend die Augenbrauen.
Ich grinste nur vielsagend und malte mir die süße Folter schon aus, die Bill vielleicht wieder gesund werden ließ…


Tom:
„Ich will aber nich´!“
„Du musst aber, sonst wirst du noch krank.“
„Mir geht´s aber gut!“
„Glaubst auch nur du, also ab!“
Ich stand vor Bill im Flur und deutete mit ausgestrecktem Arm auf die angelehnte Badezimmertür. Bill setzte den süßesten Dackelblick auf, den er zu Stande brachte und hätte mich beinahe weich bekommen, aber ich blieb standhaft nachdem ich mir ausmalte was wohl passierte wenn er krank wurde. Schmollend schob sich die Unterlippe meines Bruders vor und er schlurfte Richtung Badezimmer.
„Das wirst du bereuen.“
Ein Schmunzeln erschien auf meinen Lippen und ich ging langsam Richtung Wohnzimmer. Vorher rief ich allerdings noch:„Vorsicht, das Wasser ist - “
„AU!“
„  - heiß.“
Okay, ich wusste dass das fies war, aber ´ne Strafe für sein Rumgezetter hatte er redlich verdient!
Mindestens eine Viertelstunde hatte er mich aufgehalten, nur weil er nicht baden wollte. War ja schrecklich, wie ein Kleinkind. Langsam ließ ich mich auf die Couch fallen.
„Und?“
„Hab ihn in die Badewanne gesteckt, obwohl er es nicht wollte!“
Gusta grinste und reichte mir eine Cola. Ja, ich wusste dass das lustig war. Naja, eigentlich hatte er ja nichts gegen baden, aber wenn er es gegen seinen Willen machen musste, war es nur für die Außenstehenden witzig.
„Hätt ich ja gerne mitgekriegt.“
„Och, so witzig war´s auch wieder nich´!“
„Sagst du, der der das wahrscheinlich regelmäßig mitkriegt!“
„Was soll das denn heißen?“
Meine Stimme klang unnatürlich scharf, aber es klang so, als wollte er es auf etwas anspielen. Mein Blick fiel auf Georg´s Laptop, der auf dem kleinen Tisch stand und munter vor sich hin piepte.
„Ach nichts, Georg hat nur wieder ein neues – Nich´ Tom!“
Meine Hand hatte ihn sich geschnappt und aufgeklappt – und war auf einer schillernden Seite gelandet. Oben drüber stand *Liebe ist…*, da drunter waren mehrere Sterne und ein ellenlanger Text.
„Was ist das?“
„Kennst du Twincest?“
„Kenn ich was?“
„Twincest. Das sind Geschichten die sich Fans über euch ausdenken, in denen ihr…nun ja…nicht nur eine brüderliche Beziehung habt!“
„WAS?“
Georg zog sich allen ernstes so einen Schund rein, wo Bill und ich…naja…mit einander schliefen?
„Das liest Georg?“
„Ja“, kam es kleinlaut von Gustav.
Man das gab´s doch nicht. Das Georg manchmal außergewöhnliche Hobbies hatte, wusste ich ja aber – so was? Das war doch – war doch -  Kameradenverrat oder so ähnlich. Naja, auf jeden Fall hieß das doch dass er darauf stand, wenn Jungs – naja – ihr wisst schon…auf jeden Fall, hieß das nicht das er „schwul“ war? Oder sich darüber freuen würde, wenn ich und Bill ne Beziehung hätten. Oh gott, meine Fantasie!
„Idiot“, meinte ich nur und klappte den Computer zu. Der konnte mich mal. Vorne und hinten und kreuzweise.
„Naja, wenn´s ihm gefällt?“
„Aber - “
„Tom!“
Erschrocken drehte ich mich um und sah einen kreidebleichen Bill in der Tür stehen. Er trug einen weißen Bademantel und hatte die Arme um die Taille geschlungen. Fragend zog er eine Augenbraue hoch.
„Was ist mit Georg?“
„Ni-nichts! Bist du fertig?“
„Ne, weißte. Ich wollte nur mal kurz gucken was du machst und geh gleich wieder rein.“
„Haha!“
Man der hatte seinen Humor verloren. Oder vielleicht war er verbrannt? Das wär ja dann wegen mir… Nein, nein, nein.
„Komm, ab ins Bett!“
„Bitte?“
„Ins Bett!“
„Bist du jetzt mein Kindermädchen oder was? Wenn du´s wissen willst, meine Sachen kann ich mir noch alleine anziehen.“
Ich warf ihm einen bösen Blick zu und schob ihn in sein Zimmer.
„Anziehen“, zischte ich wütend und knallte die Tür zu.
„Was kann ich denn dafür, dass du so schlechte Laune hast?“
Ich drehte mich um und atmete einmal tief durch.
„Nichts“, flüsterte ich leise und ging mit langsamen Schritten in die Küche wo ich mich an die Arbeitsplatte lehnte. Verdammt, wieso zog mich das denn so runter? Es waren ein paar alberne Stories von Fans die Georg las. Nichts schlimmes also.
„Tom?“
Zaghaft legte sich eine Hand auf meine Schulter. Erschrocken hob ich den Kopf und sah in ein braunes Augenpaar.
„Was?“
„Geht´s dir nicht gut?“
„Mir? Dir geht´s nicht gut und jetzt geh ins Bett, ich mach Pudding!“
„Pudding?“
Seine Augen begannen zu leuchten und ein strahlendes Lächeln legte sich auf seine Lippen.
„Jep!“
„Danke!“
Er hängte sich mir an den Hals und drückte mir einen leichten Kuss auf die Wange, bevor er in sein Zimmer stürmte. Jaja, bei Pudding schlägt das Herz halt höher. Ich nahm eine Packung „Tüten-“ Pudding aus dem Schrank über´m Herd und begann ihn zuzubereiten…


Bill:
Nachdenklich schob ich einen weiteren Löffel  von Tom´s selbstgemachten, wenn man es denn so nennen konnte er kam ja schließlich aus der  Tüte, Pudding in den Mund. Wieso war er so komisch gewesen? Erst hatte er sich anscheinend über Georg aufgeregt und dann ist er so schlecht drauf um plötzlich wieder wie ein Engel zu strahlen. Naja, wi ein Engel war es jetzt nicht gewesen…zumindest fröhlicher. Das passte nicht zu ihm! Hatte Georg etwa wieder scheiße gebaut? Naja, musste ja, sonst hätte Tom sich nicht so aufgeregt, aber irgendetwas war passiert und ich wusste nicht was. Genau das war es was mein im Moment sonst so zufriedenes Wesen störte.
Als Tom mit dem Pudding gekommen war, hatte ich mich schon unter meiner Decke vergraben und war erleichtert gewesen, dass er da war. Da war nämlich wieder so ein Schatten gewesen… Naja, auch egal, auf jeden Fall war mir wieder so irre kalt und Tom hatte sich riesen Sorgen gemacht. Nun ja, jetzt saß ich hier an die Wand gelehnt, schaufelte den Pudding in mich rein und genoss die Wärme, die die Wärmflasche ausstrahlte. Komisch, normaler weise war mir doch auch nicht so kalt wenn ich drinnen war. Obwohl…wenn ich mir das Wetter so besah…ganz schön ungemütlich! Der Himmel war grau und es regnete wie aus Eimern. Das hinderte mein Gehirn allerdings nicht am weiterdenken. Allerdings tat das weh, was daran liegen könnte, dass ich seit kurzem höllische Kopfschmerzen hatte. Dann fragte ich ihn halt einfach.
„Tohom?“
Es dauerte keine zwei Minuten, da ging die Tür auch schon auf und Tom kam rein. Er lächelte und schloss die Tür wieder hinter sich, als ich neben mich auf die Bettkante geklopft hatte. Er setzte sichh und sah mich erwartungsvoll an. Da ich aber nicht wusste, wie ich anfangen sollte, kam auch nichts von mir.
„Is dir wieder wärmer?“
„Joah, dafür hab ich Kopfschmerzen!“
Eine Weile war es still, dann hatte ich genug Mut gefasst, um ihn zu fragen.
„Du Tommi?“
„Hm?“
„Was war eigentlich mit Georg?“
Er sieht mich lange an ohne etwas zu sagen, dann holt er tief Luft und sieht mir mit festem Blick in die Augen.
„Liebst du mich?“
WAS? Natürlich nicht, wieso sollte ich? Irritiert seh ich ihn an.
„Nein wieso? Sollte ich?“
Erleichtert atmet er auf und lehnt sich ebenfalls an die Wand.
„Da bin ich aber froh!“
„Hat Georg das etwa behauptet?“
Meine Stimme hatte einen schärferen Ton, als ich beabsichtigt hatte, doch das war mir egal. Ich mein, wenn Georg scheiße über mich erzählte, woher sollte ich dann wissen, dass er sowas nicht beim nächstbesten Interview behauptete? Ach du scheiße…
„Nein, nein hat er nicht!“
„Dann ist gut.“
Ich sinke wieder in die Tiefen meiner Kissen und vergrabe die Nase im weichen Stoff. Hach hatte ich mein Bett vermisst. Allein hier zu liegen, machte mich schon viel fröhlicher. Nachdenklich rieb ich die Decke zwischen den Fingern und starrte auf die gegenüberliegende Wand. Mein Gott, musste auch mal wieder gestrichen werden! Villeicht ja sogar in einer anderen Farbe.
„Billy?“
„Hm?“
„Was ist denn jetzt eigentlich mit dir?“
Ach du scheiße, wie kam er denn jetzt da drauf?
„Ich…also i-ich…“
Tom drehte sich zu mir und ein besorgter Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.
„Komm schon Bill! Ich weiß das irgendetwas ist, du willst es mir nur nicht sagen!“
„Ein andern Mal, j - “
„NEIN! Bill verdammt, ich will wissen was mit dir los ist! Beim letzten Mal hast du mich auch auf später vertröstet, aber ich hab das scheiß Gefühl, das später zu spät ist, verstehst du?“
Erst war ich erschrocken zusammengezuckt und hatte dann Tom´s Worten gelauscht. Er hatte recht! Was wenn später zu spät war? Wenn ich umgebracht würde und Tom wusste nicht wieso. Das wäre scheiße. Für ihn und für die andern. Zaghaft nickte ich. Tom der aufgesprungen war, kniete sich jetzt wieder neben mich und sah mich flehend an.
„Bitte Bill!“
„Da vorne im Umschlag.“
Ich nickte zu einem Umschlag, der auf dem Schreibtisch lag. Er war ziemlich groß, da sich alle Briefe darin befanden. Tom sah mich fragend an und stand dann langsam auf, ging um´s Bett herum und blieb vorm Schreibtisch stehen. Langsam, als hätte er Angst vor der Wahrheit, griff er nach dem Umschlag.


Tom:
Ich hatte Angst. Ja, ich Obermacho Nr. 1 hatte Angst vor dem was sich in diesem Umschlag verbarg und meinen Zwilling so aus der Bahn warf. Meine Finger zitterten richtig, als ich ihn langsam öffnete und einen Haufen Papiere herauszog. Für einen Moment fragte ich mich ernsthaft, ob ein Haufen Tussen so´n Twincest-Scheiß an ihn geschickt hatte, doch ich verwarf den Gedanken sofort wieder. Das würd ihn ja nicht so runter ziehen, oder? Vorsichtig sah ich zu Bill, der nur nickte und dann die Augen schloss. Es musste schlimm sein, sehr schlimm. Ich legte die Zettel ab und nahm den obersten um ihn auseinander zu falten. Meine Augen flogen über die Zeilen. Ich las nicht alle Briefe nur ein paar und ihre Unterschiede verblüfften mich. Manche waren aus Zeitungsbuchstaben, manche mit Handschriften die immer wieder anders aussahen, vereinzelte schienen sogar aus Buchstaben aus Büchern zu bestehen, es war unglaublich – aber Bill bekam sowas doch oft! Tausende Drohungen erreichten ihn jeden Tag und noch nie hatte er sich darum geschert. Ich sah wieder zu ihm und setzte mich wieder aufs Bett. Er öffnete die Augen und sah mich an. Ein leichtes Schimmern lag in ihnen, aber es konnte sein das ich mir das nur einbildete.
„Aber Bill“, meine Stimme war leise, aus irgendeinem Grund traute ich mich nicht laut zu sprechen.
„Du bekommst sowas doch so oft!“
„Ich weiß“, seine Stimme klang eben so leise und sie bebte verdächtig.
„Aber, es hat mir sie noch nie jemand auf die Hotelzimmer gebracht und – und er hat meine Handynummer Tom!“
Was? Sollte es tatsächlich so einen verrückten geben, der meinem Bruder auf die Hotelzimmer folgte und ihn mit Anrufen belästigte? Eine einzelne Träne löste sich aus seinem Augenwinkel und schnell nahm ich ihn in den Arm. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken und hemmungslos weinend vergrub er das Gesicht in meiner Schulter. Es mussten mindestens 10 Minuten sein, die wir so da saßen, bis er sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Er lehnte sich leicht zurück und wischte sich über die nassen Wangen.
„Sorry, jetzt is´ dein T-Shirt ganz versaut!“
„Macht doch nichts“, flüsterte ich leise.
„Ich hab so Angst Tom!“
„Der tut dir schon nichts! Das versprech ich dir.“
„Aber - “
„Shh, du schläfst jetzt erstmal und - “
„ – aber - “
„ – nichts aber! Ich komm nachher nochmal und wenn du nich´ schläfst rast ich aus!“
Ich stand auf und ging nach draußen, bevor ich die Tür zugezogen hatte, glaubte ich noch ein leise „Okay!“ zu hören, dann war die Tür zu und Bill allein.
Auch wenn ich ein schlechtes Gewissen hatte, dass musste ich erstmal verarbeiten!


Bill:
Meine Augenlider flatterten, dann irrte mein Blick durch das Zimmer. Laute Schreie aus dem Flur hatten mich geweckt. Ich hatte hunger, mein Hals war staubtrocken und mir war wieder eisigkalt. Eigentlich kein Wunder, da die Wärmflasche wieder kalt geworden war. Konnte halt auch nicht ewig halten! Langsam setzte ich mich auf und sah zur Tür. Jetzt verstand ich auch, was geschrien wurde und vor allem von wem. Georg und Tom streiteten sich.
„Ich darf ja wohl noch meine eigenen Interessen haben!“
„Ja, aber nicht irgendwelche ausgedachten Geschichten von besessenen Fans!“
„Ich darf auch lesen was ich will!“
„Mir wärs aber lieber, wenn ich wüsste das du dich nicht daran scharf machst, wenn ich was mit Bill hab!“
„Ich find die Storys einfach nur süß ja?“
„Ach ja, du findest es süß wenn wir wie wild rumknutschen und was weiß ich was noch machen!“
„Ich - “
Am liebsten hätte ich mir die Ohren zu gehalten. Die beiden brüllten mittlerweile. Ab und zu glaubte ich Gustavs Stimme in normaler Lautstärke zu hören, aber sie wurde immer wieder von den andern beiden verschluckt. Ich raffte mich auf und tapste zur Tür, die ich einen Spalt breit öffnete und hindurch schlüpfte. Augenblicklich wurde das Geschrei noch lauter.
„Man, wenn Bill wüsste - “
„Wenn ich was wüsste?“
Meine Stimme war leise und trotzdem erstarb das Gebrüll der beiden Streithähne. Tom sah erschrocken zu mir und auch Georg wurde blass. Ich schlang fröstelnd die Arme um meinen Körper und sah sie fragend an.
„Ham wir dich geweckt?“, fragte Tom auf einmal um einiges leiser.
„Ihr ward doch gar nicht zu überhören! Wahrscheinlich ist morgen ein riesen Interview mit den Nachbarn in der Zeitung!“
Gustav schien sichtlich genervt, als er um die beiden herum – und auf mich zukam. Er stellte sich vor mich und musterte mich eingehend.
„Wie geht’s dir?“
„Geht so!“
„Ich glaub wir sollten mal Fiebermessen, komm du siehst gar nicht gut aus!“
„Ich fühl mich auch nicht gut!“
Gustav legte einen Arm um meine Schultern und lief mit mir in mein Zimmer, wo er mich auf die Matratze drückte. Ohne ein Wort zu verlieren holte er das Fieberthermometer und hielt es mir hin. Zögernd steckte ich es mir unter die Achsel und sah ihn an.
„Gustav? Worüber haben sie sich gerade gestritten?“
„Eine Kleinigkeit!“
„Gustav! Es ging um mich, oder?“
„Auch!“
„Und - “
Ein Piepen ertönte und er nahm mir erleichtert das Thermometer weg um darauf zu sehen und sofort noch eine Spur besorgter auszusehen.
„Du hast Fieber!“
„Aber mir ist doch so kalt!“
„Ändert auch nichts daran.
10 Minuten später hockte ich unter drei Decken, mit einem Schal um den Hals da das kratzige Gefühl einfach nicht verschwinden wollte und einem heißen Tee in den Händen, in meinem Bett wieder.
„Na toll!“
Missmutig nippte ich an dem heißen Getränk und zuckte sofort zurück.
„Au!“
Es dauerte keine Minute, da wurde die Tür aufgerissen und Tom stand im Raum. Sofort kam er auf mich zu und setzte sich auf die Bettkante, ebenfalls mit besorgtem Gesichtsausdruck. Man, das konnt ich nicht mehr sehen.
„Wir glauben du hast Grippe!“
„Wer ist wir?“, fragte ich trotzig und sah ihn nicht an.
„Gustav, Georg - “
„Ach, mit dem unterhälst du dich auch wieder?“
„Bill ich - “
„NEIN! Ich weiß das es um mich ging! Was ist denn mit mir?“
„Bill - “
„Nichts Bill, verschwinde Tom!  Es geht mir scheiße und da brauch ich mir nicht noch irgendwelche Lügen anhören!“
Es war hart und eigentlich hatte ich es nicht so gemeint, aber es ging nicht anders. Das Gewicht auf meiner Matratze verschwand und ich hörte die Tür. Eine einzelne Träne ran über meine Wange, fiel hinab und landete im Stoff der Decke.


Tom:
Langsam rutschte ich an der Tür hinab, als meine Knie zu zittern begannen und schließlich nachgaben. In meinen Augen brannte es, aber die Tränen wollten nicht kommen, blieben verborgen und zerrissen mich innerlich. Vor mir erschien ein Fußpaar und kurze Zeit später wurde mein Kinn angehoben und ich sah in Gustavs Gesicht.
„Was guckst du so?“
„Bill will mich nicht mehr sehn“, flüsterte ich leise und konnte förmlich sehen, wie der Schock durch meinen Freund ging.
„Das meinte er bestimmt nocht so!“
„Doch!“
Gustav schluckte und zog mich dann hoch, um mich ins Wohnzimmer zu ziehen und nebenn Georg auf die Couch zu drücken.
„Das habt ihr davon verdammt!“
Ich schluckte und spürte eine heiße Träne über meine Wange laufen und die schließlich in Gustavs Hand fiel. Ich hob den Kopf und sah ihm in die traurigen Augen. Die beiden hatten mich noch nie weinen gesehen, noch nie.
„Hey, lass dich doch nicht so fertig machen, das wird schon wieder!“
Ein Schluchzen drang aus meiner Kehle und ich schlang ihm die Arme um den Hals, um das Gesicht in seiner Schulter zu vergraben. Er legte die Arme um mich und strich mir beruhigend über den Rücken.
„I-ich hab alles k-kaputt gemacht.“
„Das stimmt doch gar nicht.“
„D-doch.“
Gustav seufzte leise, doch er sagte nichts.
„Ich sollte ihm d-doch helfen.“
„Wieso denn? Tom, das ist nur eine Grippe!“
„N-nein, wegen de-dem Stalker.“
Aprubt ließ er mich los.
„Was für ein Stalker? Tom, was redest du da für einen Scheiß?“
„Das is kein Scheiß! Da ist so´n Typ, d-der ihn bedroht.“
„Tom!“, Gustavs Stimme klang ungewöhnlich scharf.
„Du gehst jetzt zu Bill und entschuldigst dich. Du musst ihm doch ausreden, von einem Stalker verfol - “
Ein Schrei unterbrach ihn. Bill. Ich fuhr hoch und stürmte zu seinem Zimmer. Ohne weiter darüber nach zudenken platzte ich herein und sah Bill total verstört auf seinem Bett sitzen, vor sich einen Brief. Schnell lief ich zu ihm und nahm ihn in den Arm. Er krallte schluchzend die Arme in meine Schultern und vergrub das Gesicht in meinem T-Shirt. Was zum Teufel hatte dieser Stalker schon wieder getan?


Gustav:
„Shht…Bill alles okay, was ist denn los?“
Tom saß auf dem Bett und hatte die Arme um Bill geschlungen, während sich dieser krampfhaft an ihm festhielt und hemmungslos weinte. Mein Blick allerdings klebte an dem blutroten Zettel. Ein Kloss saß mir im Hals. Natürlich hatte mich die Nachricht von einem Stalker nicht kalt gelassen, auch wenn es vielleicht so ausgesehen hatte, weil ich Tom direkt angefahren hatte, aber allein der Gedanke, dass mir Jemand überall hinfolgte und in die Hotelzimmer unseres Bandkükens schlüpfte, jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Mein Blick wanderte zu Georg, dem anscheinend schon allein von Bills erbärmlichen Anblick schlecht zu werden.
„E-er…h-hier…“
„Shht…is gut, darf ich den Brief lesen?“
Bill nickte stumm, Tom ließ ihn allerdings nur mit einem Arm los, mit dem er nach dem Brief angelte. Ungeschickt schüttelte er ihn, so dass er sich öffnete und seine Augen wanderten rasend schnell über die dort stehenden Zeilen. Ich konnte förmlich sehen wie er schwer schluckte und Bill noch ein wenig näher an sich zog.
„Hey Billy, das ist doch nicht ernst gemeint! Der will dich doch nur in den Wahnsinn treiben. Du fantasierst ja jetzt schon!“
„Ich fantasier nicht!“
„Und was war beim Fotoshooting? Da hast du doch auch Jemanden gesehen, wo nur eine weiße Wand war.“
„Aber - “
„Bill, bitte.“
„Du weißt selber genauso gut wie ich, dass er wirklich hier war! Wie sollte der Zettel sonst hierhingekommen sein? Ich hab seinen Atem doch gespürt!“
„Und wieso hast du nicht hingesehen?“
„Glaubst du ich bin blöd? DANN hätte ich angefangen zu fantasieren außerdem war das beim Fotoshooting ja wohl was ganz anderes!“
„Ach ja?“
„Ey Jungs“, sagte ich mit nur halb so fester Stimme wie ich es mir gewünscht hatte.
„Jetzt bleibt mal ruhig und zickt euch da nicht so an! Dürfen wir den Brief vielleicht auch lesen?“
Tom gab uns wortlos den Zettel und zog Bill wieder ansich um ihm leise eine Entschuldigung ins Ohr zu flüstern. Bill lächelte nur und nickte, verbarg das Gesicht dann wieder in seinem T-Shirt, aber eher aus Müdigkeit als aus Verzweiflung. Ich winkte Georg zu mir und dieser kam nur zögernd zu mir, um über meine Schulter mitzulesen.


~Hey Schnuckiputz,
 bah, jetzt schleim ich ja schon wieder! Vielleicht sollte ich mir mal ein Schimpfwort extra für dich ausdenken, was  hälst du davon? Ich find persöhnlich, dass ist die beste Idee die ich je hatte, neben der, von der ich dir ja eigentlich erzählen wollte.
Was hälst du davon, wenn ich in 8 Stunden mal vorbeischau? Mach ich sowieso, aber du kannst aussuchen, ob ich mit oder ohne Mordgedanken kommen soll. Ich hoffe mal du liest das alleine, sonst ist es eh zu spät!
Ich dachte nämlich, du wurdest jetzt schon lange genug gefoltert, du bist ja schon am durchdrehen. Ach so, ich komm gleich nicht persöhnlich vorbei, wär ja noch schöner, nein nein, meine Schwester guckt mal wies dir geht!
Hoffentlich besser, es macht ja nur halb so viel Spaß, einen kranken, statt einen quietsch lebendigen Bill zu töten. Hach, ic h bin richtig in Partsylaune, ich glaub danach schau ich mal in deiner Lieblingsdisko vorbei. Vielleicht treff ich ja Möchtegern Macho Nr.1, falls du verstehst was ich meine!? Der wird sich bestimmt freuen, wenn ich ihm von deinem Zustand berichte, muss er ja nicht selber gucken.
Hast du eigentlich schon ein Testament aufgesetzt, oder geht das erst ab 18? Du solltest wenigstens eine Nachricht hinterlassen, ob du eine Erd -, Feuer -, oder Seebestattung willst. Und einen schönen Gruß an deine Fans solltest du dalassen.
Tja, dann bis nachher nicht?
Hab dich sooo doll lieb (es lebe die Ironie)
Anonym~


Geschockt hob ich den Kopf und sah die Zwillinge an, die sich aneinander festkrallten, als hinge ihr leben davon ab. Was war das denn für ein Kranker Hirni?


Bill:
Ich zitterte am ganzen Körper und wollte immer noch nicht wahr haben, dass er tatsächlich hier war. Naja, seine Schwester aber – Ein Schluchzen drang aus meiner Kehle und ich vergrub den Kopf noch fester in dem weichen Stoff von Toms T-Shirt. Der Irre folgte mir echt überall hin und heut Nacht. Erneut schluchzte ich und nahm entfernt das beruhigende Streicheln Toms auf meinem Rücken. Allmählich beruhigte ich mich und hob den Kopf. Gustav saß mittlerweile auch am Bettende, Georg hatte sich mit nachdenklichem Blick auf dem Boden davor niedergelassen. Gustav hielt mir ein Taschentuch entgegen und dankbar lächelnd nahm ich es an um mir geräuschvoll die Nase zu putzen. Danach lehnte ich mich wieder haltsuchend an Tom, den Körperkontakt brauchte ich jetzt einfach. Beinahe zärtlich strich er mir wieder über den Rücken und sein Blick flog verzweifelt durch den Raum während er auf seinem Lippenpiercing herumkaute.
„Wir müssen uns was überlegen“, meinte Gustav nach einer weiteren Minute des Schweigens und sah uns alle nacheinander durchdringend an.
„Ich weiß“, nuschelte ich in Toms T-Shirt, in dem ich erneut meinen kopf vergraben hatte.
„Ich bleib bei Bill“, meinte Tom und drückte mich noch ein wenig näher an sich.
„Ach nee du Superheld“, meinte Georg in scharfem Ton.
„Und was wenn er tatsächlich auftaucht? Dann erschlägst du ihn mit deiner Cap oder wie? Nein, wir brauchen Hilfe, wir müssen David davon erzählen.
„Nein!“
Schlagartig saß ich aufrecht und sah ihn an. Das konnte er doch nicht von mir verlangen. Ich wollte nicht das noch mehr davon erfuhren. Wieso konnte Tom ihn denn nicht einfach mit seienr Cap erschlagen? War doch das sicherste. Allerdings sagten mir die ernsten Mienen der G´s, dass es nicht leicht sein würde sie davon zu überzeugen.
„Also Jungs, was wollt ihr mir so dringendes sagen?“
Wer das war? Ganz einfach: Ich hatte verloren. Wir saßen zu viert um den kleinen Tisch in der Küche, während David am der Abreitsplatte lehnte. Mit prüfendem Blick musterte er unseren erbärmlichen Eindruck. Tom, der neben mir saß, kaute wie ein Verrückter auf seinem Piercing, ich vermutete mal das es morgen entzündet war, Georg, was total untypisch für ihn war, wechselte alle 30 Sekunden das überschlagene Bein und Gustav hatte die Arme vor der Brust verschränkt und starrte angestrengt auf die Tischplatte. Vielleicht konnte er mir nachher ja sagen wie viele Macken sie hatte. Den erbärmlichsten Eindruck musste allerdings, so leid mir das tat, ich machen. Immer noch einen Schal um den Hals geschlungen, die Beine angezogen und die Arme fröstelnd um den Oberkörper geschlungen saß ich auf meinem Stuhl und mein Blick flog haltlos durch den Raum.
„Jungs?“
„Bill will dir was sagen!“
Ich warf Georg einen vorwurfsvollen Blick zu. Wer hatte denn die glorreiche Idee zu unserem Produzenten zu rennen? Ich sicherlich nicht und ich würde auch nicht mit der Sprache rausrücken. Trotzig presste ich die lieben aufeinander und tischte ein „Mag aber nicht!“ Die G´s seufzten synchron was von einem Augenbrauenschwung seitens David quittiert wurde.
„Bill wird von ´nem Stalker verfolgt!“ Das war Tom.


Bill:
„Nein!“
Stur verschränkte ich die Arme vor der Brust und sah trotzig zu Boden. Alles, alles und wirklich ALLES würde ich tun aber das nicht! Nie im Leben, das konnte David doch nicht von mir verlangen. Besagter kniete sich jetzt vor mich hin und sah mich flehend an. Verdammt, konnte der nicht ein bisschen weniger Portion Verzweiflung darein stecken? Hinterher wurde ich doch noch weich.
„Bitte Bill!“
Ein Räuspern seitens Gustav.
„Also David, ich find das auch ziemlich hart! Und meinst du nicht, der kriegt das raus, das niemand da ist? Ich mein, ich würd auch nicht freiwillig so tun als wenn ich mit jemandem…ähm…ja…also den schreckt das doch nicht ab!“
Genau Gustav, ganz meiner Meinung!
„Aber was sollen wir denn sonst tun?“
Verzweifelt sah David in die Runde und als Georg den Mund öffnete glomm ein kleines Fünckchen Hoffnung in seinen Zügen auf.
„Wie wärs wenn Tom ihn mit seiner Cap erschlägt?“, fragte Georg tonlos.
„Ach ja? Ich dachte ich soll keinen Superhelden spielen“, zischte Tom wütend, legte aber einen Arm um mich, um David dann eben so wütend an zu sehen.
„Und dein Vorschlag ist ja wohl das allerletzte! Ich bleib bei Bill und verteidige ihn, wenn euch nichts besseres einfällt!“
Mit diesen Worten stand mein Zwilling auf und zog mich mit in mein Zimmer. Dort ließ ich mich langsam auf mein Bett sinken.
„Ich glaubs einfach nicht!“
Wütend knallte Tom das einzige offen stehende Fenster zu. Er fuhr sich durch die Dreads, auf eine Cap hatte er heute verzichtet, und lief auf und ab. Immer neröser werdender sah ich ihm dabei zu, bis ich merkte das mich das noch hibbeliger machte.
„Man Tom, hör mal auf da so rumzutrampeln, das macht mich ganz nervös!“
„Ach ja? Ich BIN nervös!“
Ich schluckte und vergrub das Gesicht in meinen angezogenen Knien. Es war zum verzweifeln, nein falsch, ich war bereits verzweifelt! Ein Seufzen entschlüpfte meiner Kehle als ich merkte wie sich die Matratze neben mir senkte. Eine Hand legte sich auf meinen Rücken und begann leicht auf und ab zu gleiten.
„Das wird schon wieder!“
Ich schüttelte nur den Kopf.
Wenig später stand ich unter der Dusche und das heiße Wasser lief angenehm an meinem Körper hinunter. Ich wusste nicht wieso mir dieses Lied in den Sinn kam, aber ich fing einfach an zu singen.
„Das ist ein Gruß an heute morgen,
Und ein Gruß an letzte Nacht.
An den einen der mich weckte
Und an den der immer lacht.
An den Typen an der Kasse,
Dem egal ist wer ich bin.
Du kennst den Sinn!
Das ist ein Gruß an die zu Hause
Und an alle um mich rum.
An die Leute die uns mögen,
an die die finden wir sind dumm.
An die Menschen aus dem Fernsehn
Und die davor die uns verstehen.
Wir können euch sehn.
Ihr sind die andern,
Wir sind der Rest.
Ihr nehmt es an
Und wir halten es fest.
Das ist ein Guß an unsre Schwestern
Und ein Gruß an jedes Kind,
Deren Väter mit uns reisen
Und die deshalb einsam sind.
Einen Gruß an all die Leute
Ohne die das hier nicht geht.
Ihr seid der Weg!
Einen Gruß an unsre Freunde,
Und an die die das mal waren.
An die die denken sagen was sie denken
Und andie die sich das sparen
An die Leute die uns glauben,
Das wir nichts im Schilde führen.
Ich kann euch spüren…“
[Auszug: Ein Gruß – Juli]
„Bill?“

„Ja?“
Aprubt hatte ich in meinem Geang inne gehalten und lauschte auf die Stimme meines Bruders.
„Du, du weißt das alles wieder gut wird oder?“
Betrübt senkte ich den Kopf und bemerkte das viele Wasser gar nicht, das mir in die Augen lief.
„Nein“, sagte ich so leise das Tom es vermutlich nicht hören konnte.
„Nein, das weiß ich nicht!“

Tja, mir ist gerade aufgefallen, dass ein Teil der Geschichte irgendwie verschwunden ist. Es ist nicht viel, ein Part aus Toms Sicht soweit ich weiß und den werde ich mal kurz zusammen fassen.

Also, es ist mitten in der Nacht, Bill schläft und Tom beobachtet die wenigen Leute auf der Straße. Er glaubt auch zwei Schatten zu sehen, die aufs Haus zu kommen, meint aber sich geirrt zu haben. Bill wacht schließlich auf und die beiden reden ein wenig über den Stalker, ehe sie in die Küche gehen wo sich auch die G´s befinden. Bill will gerade Orangensaft in zwei Gläse füllen, als ein lauter Knall alle zusammen zucken lässt.

 

Bill:
Der Krach, der unverwechselbar aus meinem Zimmer stammte, brachte mich zu einem Herzstillstand. Zumindest kam es mir so vor. Ich hatte ohne es zu bemerken die Luft angehalten und meine Knie verwandelten sich nach und nach in Pudding und waren kurz vorm einknicken. Das Glas das ich in meiner rechten Hand gehalten hatte, hatte ich schnell abgestellt, um es nicht doch noch fallen zu lassen. Mir weit aufgerissenen Augen starrte ich Tom an, der eben so erschrocken dreinguckte wie ich und die G´s, die ebenfalls nahe an einen Herzinfakt gekommen waren, hatte ich beinahe vergessen. Und doch hörte ich kein weiteres Geräusch aus meinem Zimmer, einzig und allein das Ticken der Wanduhr über dem Waschbecken war zu hören.
Tick, tack. Tick, tack.
In gleichmäßigem Rhythmus drehte der rote Sekundenzeiger seine Runden und hinterließ mit jeder Sekunde die in der nichts passierte, ein größeres Gefühl des unbehagens.
Tick, tack. Tick, tack.
„Was ist mit ihnen?“, fragte Tom flüsternd und erntete nur ein Schulterzucken unsererseits.
„Wisst ihr an was mich das erinnert?“, fragte Georg eben so leise, allerdings ein Grinsen auf den Lippen. Wieso grinste er?
„Nein“, zischte Gustav, doch es klang nicht wie eine Antwort, eher als wenn er zischend ausatmete.
„An diese eine Geschichte, wo die Twins sich stundenlang nur in die Augen sehen bevor sie - “
„Georg“, zischte Tom wütend, während ich verständnislos zwischen den beiden hin und hersah. Wovon redeten Georg? Welche Story? Und was war mit mir und Tom?
„Das ist nicht der richtige Zeitpunkt für eine deiner - “
„Finde ich schon!“
Wie von der Tarantel gestochen fuhr ich herum und sah in zwei eisgraue Augen, die mich voll Ironie von oben bis unten musterten. Die Stimme hatte sich rau angehört, wie Schmiergelpapier und irgendwie…ja, in irgendeiner Art und Weise kalt. Ich wusste zwar nicht wie der Mann dies zu Stande brachte, aber die Stimme schien den Raum abgekühlt zu haben. Keiner sagte ein Wort, alle starrten nur zu der Gestalt im Türrahmen.
Der Mann trug eine schwarze Hose und eine passende schwarze Jacke, doch nicht, wie ich erwartet hatte, Mütze oder ähnliches. Das blond gefärbte Haar mit dem dunkelbraunen Ansatz fiel ihm lockig um das kantige Gesicht und wollte so gar nicht zum Rest des Mannes passen. Bevor ich weiterdenken konnte, erstarrte mein Körper zu Eis. Mit langsamen Bewegungen kam er auf mich zu, und begann mich, wie ein Löwe seine Beute, zu umkreisen. Die ganze Zeit spürte ich seinen Blick auf mir, während die Kreise drückend enger wurden.
„Nanu mein scharzer Engel, wie siehst du denn aus? Gar nicht so wie ich dich kenne!“
Eine kalte Hand legte sich auf meine Wange doch ich wich der Berührung aus. Ich konnte hören wie Tom hinter mir scharf die Luft einzog, doch so recht interessieren tat es mich nicht, denn die Kreise des Mannes wurden ohne Unterbrechung fortgesetzt.
„Ganz ungeschminkt, mit schlaffen Haaren!“
Ich spürte ein leichtes Zupfen an einer meiner Strähnen und sah Sekunden später schon wieder das siegreiche Lächeln des Mannes. Ich senkte den Kopf um nicht in sein Gesicht sehen zu müssen, doch die kalte Hand von vorhin legte sich unter mein Kinn und hob es leicht an, so dass ich direkt in seine grauen Augen sah.
„So ängstlich“, hauchte er mir ins Gesicht und die Kälte seines Atems brannte unangenehm auf meiner Haut.


Bill:
Ungeheuerliche Angst keimte in mir auf, als der kalte Atem meine Wange streifte. Mein eigener verdoppelte sich, machte ein Wettrennen mit meinem Herz, dass unnatürlich schnell schlug.
„Wieso? Was hab ich dir getan?“
Meine Lippen bebbten und ich schloss zitternd die Augen, konnte den höhnischen Blick aus diesen kalten Augen nicht mehr ertragen. Verschiedene Fluchtmöglichkeiten rasten durch meinen Kopf und doch erschien mir keine sinnvoll. Sinnvoll genug. Zögernd wich ich einen Schritt zurück, doch, nicht wie erwartet,folgte der Mann mir nicht, sein Blick glitt zu Tom, musterte sein Gesicht und blieb amüsiert an den vor Wut zu Schlitzen verengten Augen hängen, wanderte weiter zu dem kreidebleichen Gustav und blieb an Georg hängen, der immer noch den Mund offen stehen hatte, als wollte er gleich von dieser Story weiter erzählen. Doch kein Ton drang aus seinem Mund,  nicht mal Luft entwich ihm.
Langsam ging der Mann auf Tom zu, der demonstrativ den Kopf wegdrehte, wie ich es getan hatte, doch etwas kühles hinderte ihn daran. Vielleicht hatte Tom an ein Messer gedacht, anders doch, war es nur eine Gabel die neben ihm gelegen hatte und sich jetzt sanft aber bestimmend in sein Fleisch bohrte. Aus Reflex hob er den Kopf um den kühlen Zinken auszuweichen, doch nun sah er dem Mann direkt in die Augen.
„Es war ein Fehler von dir, bei deinem Bruder zu bleiben mein lieber“, meinte er, die eisgrauen Augen bohrten sich in Toms Blick. Seine Unterlippe begann zu beben, unglaubig sah er auf das Taschenmesser, das wenige Sekunden später in der rechten Hand des Mannes lag. Kurz drehte er es zwischen den Fingern, ließ es aufschnappen – und klappte es wieder ein.
„Ich will mir ja nicht zu früh den Spaß verderben“, meinte er amüsiert. Dann wanderte er weiter, um Georg herum.
„Vermutlich war es ein Zufall das du hier gelandet bist, ich könnte dich gehen lassen“ – kurz weiteten sich Georgs Augen ungläubig – „Ich denke nicht, dass das nötig sein wird! Du kannst uns bestimmt eine Geschichte erzählen!“
Bis jetzt hatte die Stimme des Stalkers sanft und liebenswürdig geklungen, doch als er erneut zum Sprechen ansetzte, klang sie scharf und schneidend.
„Setzt dich!“
Augenblicklich setzte sich Georg auf den Stuhl, der Tom am nächsten war und die beiden tauschten panische Blicke, während ich immer noch nicht in der Lage war mich zu bewegen, hätte ich doch einfach auf Toms winken hören können, dann wäre mir vielleicht nicht ganz so schlecht vor Angst.
Die Kreise des Mannes wanderten zu Gustav, dessen Hände krallten sich panisch in die Tischplatte, während er sich gegen eben diese drückte.
„Nanu, was ist denn mit dir los, meine hübsche…Blondine“, meinte er mit einem Schmunzeln und Gustav konnte sich nur mit Mühe den aufkeimenden Protest verkneifen. Der Stalker wanderte ein wenig um ihn herum, legte den Kopf schräg und musterte ihn von den Fußspitzen bis zum Haaransatz.
„Was machen wir mit dir?“
Er hatte sich immer noch nicht zu mir umgedreht, betrachtete weiter Gustavs panische Miene, während ich aus meiner Starre erwachte und zaghaft einen Fuß in Richtung Tom setzte, der auf meine Reaktion erleichtert aufatmete. Ich ging einen weiteren Schritt, bedacht darauf kein Aufsehen zu erregen.
„Nur keine Scheu, mein Engel, bequem dich ruhig zu deinem Bruder!“
Erschrocken zuckte ich zusammen und stand erneut wie erstarrt da, als Tom mich einfach um die Hüfte packte und zu sich zog. Immer noch geschockt ließ ich mich auf die Stelle nieder, die Tom freundlicherweise auf dem Stuhl für mich frei gemacht hatte. Er schlang die Arme um mich und drückte mich an sich, wobei ich bemerkte, das er ebenso sehr zitterte wie ich.
Wie lange würde er uns noch quälen?

Tom:
Fest presste ich die Augen zusammen, während ich Bill so nah es ging an mich zog. Mein kleiner Bruder zitterte wie Espenlaub und ich fragte mich, ob ich eben so sehr zitterte. Immer noch halte nur der eine Gedankengang durch meinen Kopf:
Bitte lass das alles nur ein böser Alptraum sein. Bitte lass mich gleich aufwachen und im Tourbus sitzen. Bitte, bitte, bitte…
Es konnte doch nicht wahr sein, dass das gerade tatsächlich mir passierte. Wieso denn? Was hatte ich denn getan? Besser gesagt, was hatte Bill getan? Nichts, er war nur berühmt und deswegen schien ihn dieser Mann zu hassen.
Vorsichtig blinzelte ich in die Richtung des Mannes, der mir immer noch den Rücken zudrehte und mit Gustav beschäftigt war. Langsam öffnete ich beide Augen und drehte den Kopf nur um in Bills Angst geweitete Augen zu sehen. Ich versuchte ihm einen tröstenden ‚Alles-wird-wieder-gut-das-versprech-ich-dir’-Blick zu, schien aber zu scheitern, denn Bill grinste nur schief und sah dann zu Boden.
„Willst du wohl anfangen zu erzählen?“

Erschrocken hob ich den Blick, dachte ich doch, ich wäre gemeint, doch der Mann funkelte jetzt wütend zu Georg während er Gustav an die Wand presste. Nicht fest, dennoch fest genug das Gustav unwillkürlich nach Luft schnappte. Georg jedoch sah nur irritiert in diese eisgrauen Augen, öffnete den Mund, klappte ihn wieder zu und öffnete ihn dann doch wieder.
„Was denn?“
“Na, deine Geschichte!“
Meine Augen weiteten sich vor Entsetzten, als mir die Bedeutung dieser Worte klar wurde. Nein, wenn Georg jetzt eine seiner Twincest-Storys zum Besten gab, würde ich mich übergeben. Mit genau der Feststellung im Blick sah ich zu Georg.
„Ich äh…ich k-kann keine auswendig!“
Der Mann verdrehte nur die kalten Augen und zog Georg unsanft vom Stuhl hoch.
„Wenn du mich verscheißern willst, hast du dich da aber gewaltig geschnitten! Los hol deinen Laptop!“
Mit diesen Worten stieß er unseren Bassisten unsanft aus der Küche.
„Man Tommi, was machen wir denn jetzt?“, kam es leise von meinem Zwilling und ich zuckte nur mit den Schultern, während ich ihm nachdenklich eine Strähne aus dem Gesicht strich.
„Keine Ahnung“, flüsterte ich zurück, während es in meinem Gehirn zu rattern begann, ohne das etwas vernünftiges herauskam.



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